Gerrardanthus macrorhizus aus Samen selber ziehen - Anleitung

Gerrardanthus macrorhizus aus Samen selber ziehen – Anleitung

Den Gerrardanthus macrorhizus selber ziehen macht mehr Spaß, als einen fertigen zu kaufen. Zumindest hoffe ich das. Ein paar Samen sind dank Amazon schnell eingetroffen und ich möchte meine Erfahrungen sowie ein wenig Wissen über die Gerrardanthus-Anzucht an dieser Stelle weitergeben. So kannst du in diesem Beitrag live dabei sein oder später bei Bedarf mal nachsehen, wie es gemacht wird.

Gerrardanthus – Zimmerpflanze mit Besonderheits-Status

Die Gattung Gerrardanthus ist übrigens recht klein, die einzelnen Arten lassen sich fast an einer Hand abzählen. Am bekanntesten sind Gerrardanthus macrorhizus und Gerrardanthus lobatus. Die Samenkörner des Gerrardanthus macrorhizus sehen sehr markant und unverwechselbar aus. Wärend das lange Samenkorn mit dem Flügel entfernte Ähnlichkeit mit unseren einheimischen Ahorn hat, erinnert die Form der Blätter und sein rankendes Erscheinungsbild irgendwie ein wenig an Efeu. Das wars allerdings auch schon mit diversen Gemeinsamkeiten, denn der Gerrardanthus kommt aus dem südlichen Afrika, gehört zu den Kürbisgewächsen und: Es gibt Männchen und Weibchen. Klingt spannend…

Aussaat – was ist zu beachten

Im Vorfeld habe ich ausführlich recherchiert. Diverse Erfahrungsberichte im Netz sind kurz und gehen sehr weit auseinander, am aussagekräftigsten war noch dieser Thread aus dem Sukkulentenforum. Insgesamt sind ein paar wichtige Dinge schwerpunktmäßig zu erkennen:

  • Gerrardanthus-Samen benötigen Wärme, um erfolgreich zu keimen. Sommerliche Temperaturen sind also von Vorteil, zum Zeitpunkt der Aussaat sollte mindestens Frühsommer sein und um die 25 Grad. Höhere Temperaturen können nicht schaden.
  • Die Gefahr, daß Samenkörner anfangen zu verschimmeln, noch bevor sie keimen können, ist relativ groß. Es lohnt sich also, das Substrat vorher keimfrei zu machen.
  • Gerrardanthus-Samen können nur bei hoher Luftfeuchtigkeit keimen. Wir erleben also eine Gratwanderung auf Zeit, in der Hoffnung, daß die Samenkörner schneller aufgehen, als der Schimmel einsetzt.

Welches Substrat zur Aussaat verwenden

Sicherlich ist es möglich, die Samen einfach in in normale Erde zu legen. Wegen der anfangs erhöhten Schimmelgefahr halte ich das für zu riskant. Erfolgreich könnte auch die Aussaat in mineralischem Katzenstreu sein, sofern vorhanden. Ich habe mich entschieden, zwei verschiedene Substrate parallel zu testen:

Kokoserde kommt ins erste Anzuchtgefäß, genau in derselben Verfahrensweise wie beim Adenium obesum. Die Kokoserde wird vor Verwendung keimfrei gemacht, um das Risiko der Schimmelbildung zu reduzieren. Laut Wikipedia sterilisiert man gegen Schimmel 30 Minuten lang bei 80 Grad mit Wasserdampf.

Pflanzsubstrat sterilisieren im Backofen Lechuza Pon Kokoserde Mit einer Schüssel aus Keramik oder Edelstahl-Schüssel lässt sich dies im Backofen sehr gut bewerkstelligen: vollgesaugte Kokoserde in den auf 150-200 Grad vorgeheizten Backofen stellen und ca. 40 Minuten warten. In dieser Zeit könnte das Substrat oberflächlich austrocknen, ist aber kein Problem. In meinem Fall sind beide Substrate am Ende des Sterilisationsvorganges im Inneren des Gefäßes noch fast genauso naß die zu Beginn.

Lechuza Pon erhält die zweite Anzuchtschale, es ist ein saugfähiges mineralisches Hydro Substrat aus Lava Gestein etc.. Auch hier wieder eine 2 cm dicke Schicht mit Substrat. Beim Lechuza Pon wird genauso sterilisiert wie oben beschrieben. Die Temperatur kann hier ohne Probleme auch auf über 200 Grad erhöht werden, denn es handelt sich um ein anorganisches Substrat.

Gerrardanthus macrorhizus Samen im Wasser vorquellenNoch wärend das Substrat sterilisiert und wieder abkühlt, werden die Samenkörner zum Vorquellen ein paar Stunden im lauwarmen Wasserbad eingeweicht.

Die eigentliche Aussaat geht schnell:

06. Juli: Die eigentliche Aussaat des Gerrardanthus macrorhizus ist dann recht flott erledigt. Die Samenkörner werden auf das Substrat gelegt (Kokoserde wird vorher etwas angedrückt) und ganz dünn davon überdeckt. Anschließend wird die Pflanzschale in eine Folietüte geschoben und diese so verschlossen, daß die Luftfeuchtigkeit erhalten bleibt.

Tomatenschale als PflanzgefäßÜbrigens: Die Kunststoffschalen, in denen man Tomaten kauft, eignen sich als Pflanzschale ganz perfekt. Weiterer Vorteil ist: man kann die passende Folietüte dabei ebenfalls gleich mit besorgen.

Gerrardanthus Aussaat unter FolietüteSchließlich ist die Aussaat erledigt. Die Folietüte über den Saatschalen schafft erzeugt in den ersten Tagen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Auch wenn die Folie von innen beschlägt, bleibt diesen Mini-Treibhaus solange verschlossen, bis die ersten Samen gekeimt sind. Später wird dann Stück für Stück geöffnet werden.

Was passiert nach der Aussaat

1 Woche später: Nach der Aussaat hat sich eine Woche lang nichts getan. Zu allem Pech gibts genau jetzt mitten im Sommer eine Regenperiode und niedrige Temperaturen. Tagsüber kaum 20 Grad im Maximum, nachts weit unter 15Grad. Das ist natürlich nicht förderlich für die Keimung der Samen. So müssen die Anzuchtschalen im Wohnzimmer stehen. Beleuchtung und Wärmestrahlung sind eher mangelhaft. Nach 7 Tagen ist erster Schimmel an den Samenkörnern zu erkennen. Ich dachte schon: … „das wars jetzt“ …

2. Woche: weitere drei Tage später, man glaubt es kaum: ein Samenkorn keimt trotz beginnenden Schimmel. Noch zwei Tage darauf, ein anderes Samenkorn treibt aus! Beide Samen keimen im Lechuza Pon. In der Kokos-Erde passiert dagegen überhaupt nichts.

Gerrardanthus macrorhizus treibt aus Samenkorn Gerrardanthus macrorhizus selber ziehen
Erster Platz (li.) Samenhülle klemmt ; zweiter Platz (re.) ohne Probleme

Es geht rasch voran, schon am Ende dieser zweiten Woche sind kleine Pflänzchen zu erkennen. Während beim zuletzt gekeimten Gerrardanthus alles sofort funktioniert, kann der Erste (Bild links) seine Keimblätter nicht so recht aus der Samenhülle befreien. Man glaubt kaum, wie stabil diese Hülle ist, sie fühlt sich an wie Hartholz.

Hier muß man Hilfestellung geben: Zuerst ein wenig mit dem Sprüher befeuchten und ein paar Stunden später vorsichtig die Hülle über dem Samenkorn auseinander biegen. So kann man den empfindlichen Sämling ohne Beschädigung aus seiner misslichen Lage befreien. Die Keimblätter dürfen dabei nicht beschädigt werden. Sollten sie sich zu schwer von der Samenhülle lösen, lieber nochmal einsprühen und warten.

Wichtige Erfahrung: Lechuza Pon als Aussaat-Substrat funktioniert scheinbar besser als reine Kokoserde.

Anzucht braucht hohe Luftfeuchtigkeit

Hohe Luftfeuchtigkeit ohne Schimmelbildung ist das Ziel. Die Folietüte nach der Keimung also seitlich ein wenig öffnen, so können sich die Jungpflanzen langsam an ihre normale Umgebungsluft gewöhnen. Durch ein wenig Luftzirkuation läßt sich gleichzeitig Schimmelbildung vermeiden.

Schon Ende der 2. Woche muß die Tüte hochkant als Zelt aufgestellt werden, damit die Jungpflanzen nicht oben anstoßen. Unser Mini-Gewächshaus darf natürlich bei Zugluft nicht umkippen, also Vorsicht! So gibt’s weiter genug Luftfeuchtigkeit und die Keimlinge können schön nach oben wachsen. Immerhin sind die beiden Gerrardanthus-Jungpflanzen schon etwa 5 cm hoch. Und das nach einer knappen Woche. Nicht schlecht…

Gerrardanthus macrorhizus Keimlinge Anzucht Gerrardanthus Luftfeuchtigkeit Zimmer-Gewächshaus

3. Woche: An der Folietüte wird von den oberen Ecken ca. 2cm abgeschnitten. So kann die Luft ein wenig zirkulieren und es bleibt dennoch genügend Luftfeuchtigkeit erhalten.

4. Woche: Um die Luftfeuchtigkeit im Mini-Gewächshaus weiter abzusenken, wird von den Ecken der Folie noch etwas mehr abgeschnitten. Mehr ist momentan nicht zu tun, beide Gerrardanthus-Pflänzchen sind inzwischen gut herangewachsen und bekommen schon das zweite Blatt. Der zuletzt gekeimte hinkt allerdings im Wuchs deutlich hinterher.

Umtopfen in Kakteenerde mit Lechuza Pon

In der 5. Woche haben beide Jungpflanzen ungefähr 6…7cm Wuchshöhe erreicht. Jetzt ist absehbar, daß etwas verändert werden muß: Beim kleineren Gerrardanthus trocknet das erste Blatt plötzlich ein, da ist das zweite noch gar nicht richtig ausgewachsen.

Ob die Ursache dafür zu trockenes Substrat ist, läßt sich beim Lechuza Pon optisch nur schwer kontrollieren. Die Jungpflanzen haben darin auch keinen besonders stabilen Stand, könnten mit zunehmender Wuchshöhe darin umkippen. Immerhin, für die reine Aussaat war das Substrat optimal.

umtopfen 1x Pon, 1x Pon/Kakteenerde

 

… weiteres folgt …

 

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zuletzt aktualisiert am 29.09.2019

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