Süßkartoffel in Pflanzschale

süßkartoffel vom supermarkt – der anfang

Auch die Süßkartoffel stammt (wie meine Petersilie) aus den Essensresten der Weihnachtszeit. Nachdem sie im neuen Jahr noch ein paar Tage herumlag, beschloß ich, sie zum keimen zu bringen.

Süßkartoffel in Schale pflanzenZiel war, später eine der Knollen so die Pflanzschale zu setzen, daß sie oben noch die Hälfte aus der Erde herausschaut und daraus sollten dann die Triebe wachsen.

Vor Jahren hatte ich so etwas auf einem Markt gesehen – ein total uriger Anblick und Inspiration für das „Projekt Süßkartoffel“

Hier meine Erfahrung mit der Süßkartoffel in Wohnzimmerhaltung:

Wenn die Süßkartoffel einmal gedeiht,  gibt es eigentlich kein Halten mehr. So kann es durchaus Tage geben, an denen eine Ranke um mehrere Zentimeter zugelegt. Ich spreche da von unglaublichen 5…10 cm pro Tag. Wüßte man den betreffenden Tag schon vorher, so könnte man sich danebenstellen und zusehen. Man weiß es aber nicht, und was von Woche zu Woche passiert, ist (zumindest bei der Haltung im Wohnzimmer) wechselhaft und unkalkulierbar:

  • Knollen aus dem Supermarkt sind möglicherweise mit irgendeinem Keimhemmungsmittel behandelt. Es kann dann ewig dauern, bis etwas passiert. Der Kauf einer fertigen Pflanze im Garten- oder Baumarkt ist nicht so abenteuerlich aber streßfreier.
  • Im Frühjahr teilweise erstaunliche Wachstums-Orgien, die dafür benötigte Energie liefert vermutlich die Knolle.
  • Ungeziefer auf Süßkartoffel BlätternStändige Rückschläge durch Ungeziefer, im speziellen diese weißen kristallartigen Wesen, die nur mit Schädlingsbekämpfungsmittel zu entfernen sind. Die genaue Bezeichnung dieser Bewohner war trotz umfangreicher Recherche nicht festzustellen. Ernte erübrigt sich dadurch jedoch.
  • im Winter trotz Zusatzbeleuchtung alles auf Sparflamme, auch das Ungeziefer.

Und ständig steht die Frage:  „Wie verhalte ich mich, wenn ich merke, daß ich von meiner Süßkartoffel gemobbt werde?“ 😈

Um es vorwegzunehmen: „Wir“ schafften das ganze 1. Jahr lang, kamen gerade noch so durch den Winter und ins nächste Frühjahr.
Der darauffolgende Umzug auf den Balkon [link] wirkte schließlich Wunder und verzauberte die Pflanze regelrecht. Kein Ungeziefer mehr, gleichmäßiges Wachstum und gutes Aussehen. Und reichliche Ernte trotz beengtem Blumenkasten.


Die Chronik des 1. Jahres im Überblick

Jan. 2014:
Wieder einmal sind Essensreste der Ursprung einer neuen Zimmerpflanze. Drei reichlich faustgrosse Süßkartoffeln lagern jetzt in Wasserschüsseln in der Küche. Bei  Temperaturen von ca. 18+-1Grad sollten sie lt. Recherche irgendwann einmal anfangen zu keimen.

Mitte Feb. 2014:
Immernoch keine sichtbaren Ergebnisse. Ca. 14 tägiger Wasserwechsel und abwaschen der Oberfläche sollen Fäulnis verhindern. Offensichtlich ist viel Geduld gefragt.

Ende Feb. 2014:
Bei sehr genauem Hinsehen könnte man bei der einen oder anderen Knolle ein paar Stellen vermuten, wo sich vllt. später Triebe bilden. Ob diese Stellen schon immer so aussahen, läßt sich jetzt nicht mehr prüfen. Dazu ist der Start des Experiments schon zu lange her. Fazit: Kein Ergebnis, aber noch Hoffnung.

Mitte März 2014:
Bei einem Exemplar sind überraschenderweise zwei 5mm Austriebe zu sehen, bei einer fast nix, eine fault.

Ende März 2014: 
2 Stück jeweils in einen 25cm Topf mit Tongranulat eingepflanzt. Die Knollen sind nur zu 1/3 in den Boden einsetzt, gerade so, als würden sie nur auf der Erde liegen. Ein total urwüchsiger Anblick, auf den ersten Blick so als hätte ein großes Tier „etwas“ fallen lassen. Alles, was jetzt noch fehlt, sind ein paar grüne Triebe.

Ende April 2014:
Diese nur teilweise im Substrat befindliche Knolle hat neben dem gestalterischen Element noch den Vorteil, daß man wenigstens etwas von ihr sieht. Fäulnis etc. läßt sich so besser feststellen. Was unten im Substrat passiert, bleibt jedoch verborgen. In diesem konkreten Fall passierte erstaunlicherweise: nichts.
Ich war gerade dabei, aufzugeben und grub aus einem Topf die Knolle aus, um Ursachenforschung zu betreiben. Und ach du Schreck: Es waren eine Menge Wurzeln entstanden. Des Weiteren hatten sich im Laufe des Monats mehrere Triebe gebildet. Sie waren nur noch nicht oben angekommen. Hätte ich noch eine Woche länger Geduld gehabe, wärealles perfekt gewesen. Stattdessen hatte ich bei meiner ungeduldigen Ausgrabungsaktion jetzt einen Großteil der Wurzeln abgerissen und war sowas von verärgert! Vorsichtig legte ich die Knolle wieder auf das Substrat, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Von der zweiten Knolle ließ ich auf jeden Fall die Finger und schwor mir Geduld!!!

Anfang Mai 2014:
Die Schale mit der schonmal ausgegrabenen Knolle stand schon immer auf dem Kühlschrank. Bei Umräum-Arbeiten stürzt die Schale aus ca. 1,50m herunter und landet kopfüber auf dem Fußboden. Die Knolle hat durch den Aufschlag mehrere Risse und es wird sichtbar, daß sie das ausgraben nicht überstanden hatte, sie hat eine große faulige Stelle. Ganz schön harte Auslese.

Mitte Mai 2014:
Endlich, ein erstes sichtbares Zeichen meiner der letzten verbliebenen Pflanze.

Ende Mai 2014:
Ein plötzliches wahnsinniges Längenwachstum der Ranken erfordert den Bau eines Gestelles. Fantasie macht sich breit, wie riesig ich die Pflanze hinbekommen könnte. Die zwei Ranken legen 5…10cm am Tag zu, und das mehrere Tage lang hintereinander! Wenn das nicht so überraschend gekommen wäre, hatte ich mich noch daneben gestellt und hätte beidem Tempo richtig zusehen können. Die Kraft für solche Aktionen ist vermutlich in der Knolle gespeichert und kommt, wenn der Durchbruch geschafft ist, zum Einsatz.

1 Woche später:
An den Blättern bilden sich kleine weiße Pünktchen oder Knubbel [link]. Diese haben eine klumpige Form, die Form von Blattläusen kann man darin zwar nicht erkennen, aber es sieht nach Ungeziefer aus. Die Sache beginnt meist an den Haupt-Adern der Blattwurzeln und breitet sich dann schnell aus.

1 weitere Woche später:
Blattläuse (oder was das ist) mit Pflanzenschutzmittel beseitigt. Von der Süßkartoffen eines Tages zu ernten, kann ich damit vergessen. Schade, aber es war absolut notwendig.

Ende April2014:
Diverse Blätter sind in Folge des Blattlausbefalles und meines zu späten Eingreifens abgestorben. Man hätte schon bei den ersten kaum sichtbaren Anzeichen etwas unternehmen müssen.

weiterer Verlauf:
Der weitere Jahresverlauf in Sachen Süßkartoffel ist schnell erzählt, etwa so: Drei Wochen später sind neue Blätter gewachsen, welche dann gleich wieder von Läusen befallen werden. Erfolgreiche Behandlung folgt, aber die befallen Blätter verkümmern oder sterben ab, es bilden sich neue und der Kreislauf beginnt von vorn. Die inzwischen ca. 1…1,5m langen Ranken können unter diesen Umständen kaum noch zulegen. Bis Ende Oktober gehen mehr Blätter verloren als nachwachsen. Jetzt im Winter dauert die Bildung eines neuen Blattes viele Wochen, Ungeziefer ist schon von Anfang an dran, eine Behandlung im Zimmer ist eher schwierig.

ca. im Oktober gesenkert [link]

zwischenzeitlich im Herbst umgetopft und Knollen geerntet.

Ende Jan. 2015:
An der Unterseite der ältesten Knolle hat sich vermutlich Fäulnis gebildet. Das ist nur von oben nicht sichtbar, weil die Haut in der Zimmerluft Luft trocken bleibt, man merkt es jedoch, wenn man leicht auf die Knolle drückt. Sie federt ein wenig nach, als würde sie auf weichem Untergrund liegen. Oberirdisch ist nichts ungewöhnliches zu erkennen. Am Stamm halten sich gebündelt ein paar Blätter, die weiteren Ranken sind noch grün, aber kahl (bis auf wenige Ausnahmen). Die Blattläuse (ich nenn es mal so) halten sich wacker.

Die etwas jüngeren Knollen kamen besser durch den Winter und gediehen prächtig und ungezieferfrei im darauffolgenden Sommer auf dem Balkon. Mit Abstand besser, als erwartet ❗ Nicht alles läßt sich also ins Zimmer holen…


[übersicht]


zuletzt aktualisiert am 02.10.2015

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