Ananas selber ziehen mit Detlef Römisch

experiment wasservorrat

Experiment Wasservorrat und Wasserverbrauch

Daß der cyperus alternifolius durch exorbitanten Wasserverbrauch glänzt, ist bekannt. Daß man sich bei Gießfaulheit nicht damit helfen kann, die Pflanze in einen Vorratsbehälter zu stellen, um nur aller 2 Wochen krätig  nachzufüllen, zeigte mir die Erfahrung über die Urlaubszeit. Hier war zu beobachten, daß die Pflanze über diesen Zeitraum deutlich weniger Wasser entnahm, als man im gewohnter Weise dem Übertopf durch tägliches gießen zugeführt hätte.

Zitat aus einem meiner älteren Beiträge: „… Jetzt wäre der Gedanke naheliegend, den Topf dauerhaft in eine große Wasserschüssel zu stellen. So müßte man nur alle 2 Wochen einen ordentlichen Eimer Wasser nachgießen und fertig. Leider funktioniert das nur kurzzeitig. Spätestens beim zweiten Eimer könnte es schwierig werden: Im Wasserbehälter bilden sich schon bald Braunalgen, vor allem in der warmen Jahreszeit ist das der Fall. Das Wasser fängt nach einer Weile an, abgestanden zu riechen falls der Vorrat nicht innerbalb einer bestimmten Zeit aufgebraucht wird. Ich hatte schon nach wenigen Wochen den Eindruck, daß die Pflanze dieses alte Wasser nicht besonders mag. Ohne es genau gemessen zu haben, war es so, daß der Wasserverbrauch deutlich zurückging. Das ist im Sommer kein Wohlfühl-Zeichen…“

Da ich das bloße Gefühl, dies beobachtet zu haben, auch mit Fakten untermauern möchte, sollte ein kleines Experiment Klarheit schaffen.

Experiment:
Zwei paar kräftig bewachsene Töpfe mit cyperus alternifolius, welche sich derzeit im Winterquartier auf der Fensterbank befinden, sind die Probanden, deren täglicher Wasserverbrauch gemessen werden soll. Sie befinden sich jeweils in einem Übertopf, dessen Wasservorrat so bemessen ist, daß er nach 2 Tagen aufgebraucht ist.
Teil 1: Die tägliche Gießmenge wird 10 Tage lang protokolliert
Teil 2: Die Pflanzen werden jeweils in eine Vorratsschale gestellt, die eingefüllte Wassermenge (identisch mit dem Verbrauch aus Teil 1) wird notiert. Nach 10 Tagen werden die Pflanzen entnommen und die verbleibende Menge gemessen. Nach meinen Beobachtungen sollte die Differenz-Menge signifikant sein, ich schätze auf mindestens 20% weniger Verbrauch.

Umweltbedingungen:

  • Start ab mitte Jan. 2015, rel. konstante Bedingungen in engen Bereichen
  • Zimmer-Temperatur gleichmäßig 20…21°C
  • Zimmer-Luftfeuchte 50…55%
  • Außen-Temperatur -3 … +5 °C
  • Temperatur des Übertopfes am Fenster: 14 … 16°C (IR-Thermometer)

Los gehts…


Experiment Teil I

Versuchspflanzen in normalem Topf:

 

cyperus alternifolius wasserverbrauch Zyperngras 1
Pflanze 1

cyperus alternifolius wasserverbrauch Zyperngras 2
Pflanze 2
Pflanze 1: Pflanze 2:
   (Meßwerte in ml)
600 / 500 / 600 / 600 / 500
500 / 600 / 600 / 1000 / 0
600 / 600 / 600 / 600 / 600
= 8500
ml in 15 Tagen
= Durchschnitt:
   (Meßwerte in ml)
600 / 500 / 300/0/600
400 / 400 / 400 / 400 / 600
0 / 400 / 400 / 400 / 400
   = 5800 ml in 15 Tagen
= Durchschnitt:
566 ml / Tag 387 ml / Tag

Experiment Teil II

Versuchspflanzen jetzt mit Wasserschale:

Zyperngras Wasserverbrauch Luftbefeuchter Experiment 1
Pflanze 1

Zyperngras Wasserverbrauch Luftbefeuchter Experiment 2
Pflanze 2
  Pflanze 1:
Befüllung (10.2.) 6000 ml
  Pflanze 2:
Befüllung (10.2.) 6000 ml

10.2.: Befüllung der Wasserschalen mit je 6 Liter Wasser. Füllstand an den Gefäßen farbig markiert.

11.2.: schon deutlich sichtbarer Wasserverbrauch, ca. 5mm niedrigerer Wasserstand bei Pflanze 1

14.2.: Das Gefäß von Pflanze 1 ist schon knapp über die Hälfte leer. Ziel des Versuches war, zu zeigen daß stagnierendes Wasser und danit verbundene Algenbildung etc. nicht gut für die Pflanze ist. Hier stagniert jedoch nichts, weil schon am Tag 4 rund die Hälfte vom Wasser weg ist. Kurze Berechnung des bisherigen Wasserverbrauches anhand der Füllstandshöhen:

Füllstand 7,7cm = 6000 ml Füllstand 7,7cm = 6000 ml
Füllstand 3,8cm = x        ml
x = 2961  ml6000ml – 2961ml = 3039 ml3039 ml in 4 Tagen =
740 ml / Tag
Füllstand 5,1cm = x        ml
x = 3974  ml6000ml – 3974ml = 2026 ml2026 ml in 4 Tagen =
506 ml / Tag

Und an dieser Stelle kann ich das Experiment erstmal beenden, denn ca. 50% mehr Wasserverbrauch ist genau das Gegenteil dessen, was ich durch den Versuch testen wollte. Wie kann das sein?


Schon als sich das Ergebnis anbahnte, fragte ich mich: Habe ich etwas falsch gemacht? Wie ist so eine gravierende Abweichung vom Erwartungswert möglich?

Meßfehler in dieser Größenordnung kann ich aufgrund der sich wiederholenden Abläufe ausschließen. Das Umfeld hat sich auch nicht verändert, Raumtemperatur und Luftfeuchte ungefähr konstant, Wassertemperastur immernoch 15 °C. Außentemperatur nur mittags mal 3…4 Grad höher…

… aber: mit Frühlingsgefühlen: plötzlich Vogelgezwitscher am Morgen, klar und sonnig ab dem 2. Versuchstag. Und genau das ist der Punkt den ich fast ignoriert hätte, die Lösung zum Rätsel –  die Beleuchtung wirkt sich signifikant auf den Wasserverbrauch aus, ich hatte das im Stammtext zum alternifolius schon vor dem Experiment erwähnt, aber die Deutlichkeit im Ergebnis völlig unterschätzt. Ist ja auch unglaublich: 30% Mehrverbrauch, bloß weil mal ein paar sonnige Tage sind…

Und jetzt erklärt sich mir auch der wahre Zusammenhang, der mich zu diesem Experiment brachte, Sie erinnern sich:

Im letzten Urlaub stellte ich den alternifolius in eine Vorratsschale, und stellte fest, daß er darin über den Urlaub wesentlich weniger Wasser verbrauchte als sonst mit täglichem Gießen. Und im Moment wird mir klar: die Pflanze stand bis zum Urlaub direkt am Fenster (hell=erhöher Wasserverbrauch). Während des Urlaubs stand diese Pflanze in der Schale in Zimmermitte auf dem Fußboden (Schatten=reduzierter Wasserverbrauch). Meine Beobachtung war daher schon richtig, nur die Interpretation ging in die falsche Richtung. Nicht das stagnierende Wasser und die damit verbundene Algenbildung führten zu geringerem Wasserverbrauch sondern die verminderte Beleuchtung.

Das Ergebnis des Experiments ist:

Schon etwas mehr Licht steigerte den Wasserverbrauch des cyperus alternifolius von 566 auf 740 ml / Tag, also

um  ~30 %

Ergebnis, Auswertung

Mit zunehmender Helligkeit steigt der Wasserverbrauch des cyperus alternifolius deutlich an.

Von bedeckt bis sonnig entsteht sofort ein Mehrverbrauch von über 30% .

deshalb folgende Tips

  • die Pflanze lebt vom Licht
  • hellstmöglicher Standort
  • aber im Urlaub schattig stellen, der Wasservorrat reicht dann wesentlich länger

 


 

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zuletzt aktualisiert am 05.02.2016

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