Ananas selber ziehen mit Detlef Römisch

engerling rosenkäfer im blumenkasten

Engerling und kein Snack

[Rosenkäfer Engerling – Larve vom Käfer]

Engerling Rosenkäfer Nahaufnahme
Engerling vom Rosenkäfer in der Vergrößerung

Wenn ein dickes weißes Tier in der Erde unseres Blumenkastens wohnt, ein Zwischending aus Raupe und Made, was könnte das wohl eines Tages einmal werden?

Schmetterling? Dann wäre es eine Raupe. Diese lebt über der Erde, ernährt sich von Blättern und verpuppt sich dort später. Trifft hier also nicht zu.

Irgendeine Fliege? Schon von der Größe des Fundstücks her  unwahrscheinlich.

Was sonst? Rein optisch ein Engerling. So etwas, was der Kleingärtner gelegentlich im Komposthaufen vorfindet. O.K., also dann:

Ein Käfer: Davon gibt es natürlich viele Varianten. Aber was sagen die Grundkenntnisse?

Engerling = Maikäfer… Maikäferlarve mitten in der Stadt auf dem Balkon, das ist auch nicht besonders wahrscheinlich, ist inzwischen etwas total seltenes geworden. Ich kenne sie nur noch aus meiner Kindheit. Riesengroß, an der Seite ein weißes gezacktes Band und wenn man sie auf die Hand nimmt, fassen sie mit ihren Füßen kräftig zu. Tun zwar nichts, ist aber immerhin eine Mutprobe. Wir suchen also nach:

Engerling Maikäfer„…
Und siehe da, rein von den Bildern her muß es sowas sein. Wenn, dann käme jetzt auch der Juni-Käfer in Frage. Dieser heißt eigentlich Gerippter Brachkäfer und ist im Park oder auf dem Rasen öfter zu sehen. Dessen Larve sieht auch fast genauso aus. Schließlich gibt es noch den Hinweis, daß der Engerling des Rosenkäfers diesen beiden auch zum verwechseln ähnelt.
Jetzt gehts ins Detail:

Engerling bestimmen :

Maikäfer Engerling: Ist ca. 1/3 größer als der vom Rosenkäfer, robbt bei der Fortbewegung eher seitlich, hat drei paar kräftige lange Beine mit deutlich geformten Gelenken, Kopf fast so breit wie der Körper-Durchmesser, vorn wie hinten gleichmäßig Dick. Ernährt sich von lebenden Wurzeln, kommt also nicht im Komposthaufen vor.

Junikäfer Engerling: Merkmale identisch mit dem Maikäfer, nur kleiner. Nach der Größe kann jedoch nur tendenziell unterschieden werden, weil diese schon je nach Alter und Entwicklungsstand unterschiedlich ausfallen kann.

Gartenlaubkäfer Engerling: etwa gleiches Aussehen wie Maikäfer / Junikäfer, jedoch der Kleinste, sofern man das bei unterschiedlichen Altersstufen überhaupt unterscheiden kann.

Rosenkäfer Engerling: kleiner Kopf (max. halber Körperdurchmesser), Beiß-Werkzeuge nicht deutlich sichtbar, Körper vorn schmaler und hinten dicker. Er ist kleiner als der vom Maikäfer, die Beine sind fast verkümmert, Gelenge nicht deutlich ausgeprägt, Fortbewegung ist ungeschickt auf dem Rücken robbend. Ernährung von abgestorbenem Pflanzen-Material.

Haupt-Unterscheidungsmerkmal sind also Beingröße und Kopfgröße, einen zusätzlichen Hinweis liefert die Fortbewegung. Während sich die Engerlinge vom Maikäfer und Junikäfer versuchen, auf den Bauch zu drehen um davonzukriechen, liegt die Rosenkäferlarve auf dem Rücken und robbt ungeschickt herum. Von der Häufigkeit her ist in vielen Gegenden der Rosenkäfer auch wahrscheinlicher.

Das Ergebnis der Recherche: Meiner Meinung nach wird es ein Rosenkäfer. Er zeigt das bei der Fortbewegung, die Beine sind sehr kurz und werden kaum zur Bewegung eingesetzt. Nach dem ausgraben ist er nicht in der Lage, sich auf den Bauch zu drehen um mit den Füßen davonzukriechen. Er bleibt auf dem Rücken liegen, robbt so einige Millimeter in unbestimmte Richtung und es gelingt ihm nur sehr mühsam, sich soweit auf die Seite zu drehen, daß er sich wieder in der Erde vergraben kann. Völlig ungelenkiger Kerl 😉 und auch nicht besonders lecker aussehend, so verschwindet er nach dem Foto shooting wieder in der Erde.
Unter normalen Umständen würde ich sowas nicht in der Wohnung dulden aber Fakt ist: Wir haben Anfang Februar, der Kollege lebt vermutlich seit Juli/August letzten Jahres in diesem Blumenkasten, fällt nie negativ auf und frißt nur den Rukola (also doch lecker). Aussetzen geht zu dieser Jahreszeit nicht und der Rukola ist sowieso hinüber. Die Flucht ist dem Engerling zum Glück rein körperlich unmöglich und mich wird im Frühjahr auch kein Rosenkäfer überraschen, weil der Engerling 2 Jahre in der Erde verbringt. Es gibt deshalb nur einen Weg: weiter regelmäßig den Rukola gießen und hoffen, daß die Nahrung bis zum Frühjahr reicht. Wenn nicht, müßte zugefüttert werden, was aber schwierig wird.

Der Umzugstermin ist ist schon grob vorgeplant: vermutlich im Mai zieht der Engerling in den Komposthaufen eines Kleingartens.



Update 6.6.:

Engerling vom Rosenkäfer überwintert
Rosenkäfer-Engerling wird wieder ausgesetzt

Höchste Zeit und eigentlich schon längst überfällig ist der Abschied von meinem winterlichen Begleiter, dem Rosenkäfer-Engerling. Ich zögerte bis jetzt, weil der Temperatur-Unterschied zwischen Wohnzimmer und Freiland recht erheblich ist, aber nun ist es soweit.

Den ganzen Winter habe ich mein bestes getan um den Engerling erfolgreich durchzubringen. Die Erde des Balkonkastens habe ich ständig überwacht und auf einer Seite feucht gehalten, als wären noch Pflanzen drin, mit nach der anderen Seite hin allmählig trockner werdender Erde. Somit steht für jeden Anspruch ein passender Feuchtigkeitsbereich zur Verfügung. Nur der restliche Rukola hielt nicht länger als bis mitte Februar, die Überreste bedeckte ich schließlich dünn mit nasser Erde, als Nahrungsvorrat für den Engerling.

Und nachdem nun die kleine Grube im Garten ausgehoben ist, bin ich mir nicht sicher, ob der Engerling überhaupt noch lebt. Man bekommt ihn im Normalfall nie zu Gesicht. Ausgraben und nachsehen ist aber zu gefährlich. Er könnte dabei zerdrückt werden und nur um die Neugier zu befriedigen, wäre dann alles zerstört. Ich vertraue also auf das Glück und gieße die Erde mit leichtem schütteln vorsichtig in die Grube. Und dann sehe ich zu meiner Freude etwas weißes aufblitzen: käseweiß in dunkler Erde, ja.!!! – das ist er 🙂

Rosenkäfer-Engerling bevor er sich in Erde eingräbtWie üblich etwas träge, aber scheinbar gesund und glücklich liegt er da, versucht auch gleich unbeholfen, zu verschwinden.
Interessant: Er hielt sich die ganze Zeit in dem Bereich des Balkonkastens auf, wo die Erde fast trocken war. Das hätte ich nicht vermutet, war aber seine eigene Wahl.

Schließlich ist das Loch mit der restlichen Blumenerde schnell verfüllt. Ein Abschied mit happy end und mit der Option, eines Tages einen selbst großgefütterten Rosenkäfer im Garten anzutreffen. Tja, sowas hat nicht jeder  🙂 🙂


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zuletzt aktualisiert am 24.11.2015

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