Ananas selber ziehen mit Detlef Römisch

drehen von zimmerpflanzen

Zimmerpflanzen wollen gedreht werden

[was beim Drehen von Zimmerpflanzen zu beachten ist]

drehen von Zimmerpflanzen

Die meisten Zimmerpflanzen können problemlos gedreht werden. Am besten regelmäßig und in kleinen Schritten. Warum ist schrittweise drehen besser als eine 180 Grad Drehung?

Ganz einfach: Weil die Pflanze ihre Blätter so ausrichtet, daß sie die maximale Lichtausbeute haben. Die Blätter stehen also im theoretisch günstigsten Fall rechtwinklig zur Lichtquelle. In der Praxis schaffen die Pflanzen das mehr oder weniger gut, zumindest streben sie diesen Zustand immer an, denn Licht ist Lebensgrundlage und die Aufgabe der Blätter besteht nun einmal darin, diese Nahrung einzusammeln.

Im Freien wird die Pflanze durch den täglichen Sonnenlauf fast rundherum beleuchtet. Sie richtet ihre Blätter so aus, daß sie in dieser Zeitspanne eine  gleichmäßig gute Lichtausbeute erzielt, also gleichmäßig in alle Richtungen und mit einem bestimmten Neigungswinkel.

Im Zimmer funktioniert das nicht. Die Sonne scheint immer zu einer bestimmeten Tageszeit an derselben Stelle. Was variiert, ist nur die Hellligkeit im Tagesverlauf. Deshalb wachsen die Blätter vorzugsweise in diese eine Richtung. Später wächt auch der Stamm genau dorthin und sie wird schief.

Nehmen wir jetzt an, unsere Pflanze hat genau diesen Zustand erreicht, schief aber glücklich, die Blätter zeigen zum Fensterund sind für diesen Standort auf beste Lichtausbeute optimiert. Nun drehen wir die Pflanze radikal rum, um 180 Grad, so wie „man“ das eben macht. Was passiert?

Die Ausrichtung der Blätter stimmt nicht mehr, denn die Blattoberflächen zeigen ins dunkle Zimmer statt zur Sonne, die Beleuchtung trifft jetzt von hinten auf. Die Folge ist praktisch Nahrungsentzug, dieser findet solange statt, bis die Stellung der Blätter durch weiteres Wachstum wieder korrigiert werden konnte.

Deshalb: Drehen Sie Ihre Zimmerpflanzen wenn möglich immer beim gießen in 5 Minuten-Schritten bzw. -Winkeln (gemessen am Zifferblatt einer Uhr), also kontinuierlich in kleinen Schritten, alle 1…3 Tage um 30Grad.

Im www gibt es darüber zahlreiche Debatten und verschiedene Meinungen. Diskutiert und letztendlich gut erklärt wurde das Drehen z.B. hier. Das Zitat, im Orginaltext für Citruspflanzen, hat aber eine gewisse Allgemeingültigkeit und wie oft erkannt wird scheitert die Sache meist an der Bequemlichkeit.

Noch ein kleines Experiment zum Abschluß, wenn Sie ein Handy haben:
Installieren Sie sich eine kostenlose App z.B. Light Meter“ oder irgend etwas ähnliches. Die App mißt die Beleuchtungsstärke in Lux. Wenn Sie sich mit Ihrem „Meßgerät“ jetzt durchs Zimmer bewegen, sehen Sie vermutlich Werte von 100bis 700 Lux, am Fenster wesentlich mehr. Halten Sie das Handy jetzt in 0,5…1,0 Meter Abstand unter die Lampe und stellen Sie sich vor, das Handy wäre ein Blatt, welches sich genau zur Lichtquelle hin ausgerichtet hat. Merken Sie sich den angezeigten Wert in Lux und dann verdrehen Sie anschließend das Handy um 90 Grad.

Der nun angezeigte Lux Wert liegt um Größenordnungen niedriger, ist vergleichsweise lächerlich. Was Ihre Zimmerpflanze nach einer 180 Grad-Drehung empfindet, ist somit gut nachvollziehbar und daß es die meisten (außer in wärend der Blüte) trotzdem nach außen hin anstandslos vertragen ist umso erstaunlicher… Dennoch muß es durch Wachstums-Korrekturen ausgeglichen werden, was natürlich Kraft kosten.

Falls Sie zum Schluß noch interessiert, was innerhalb der Pflanze abläuft, damit sie zum Licht wächst, können Sie dies hier zum Thema Phototropismus nachlesen.


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zuletzt aktualisiert am 12.07.2016

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