Bleistiftbaum senkern wurzeln

bleistiftbaum mit ableger noch mal neu

Der Bleistiftbaum ist zwar schon uralt, wurde jedoch bestimmt 15 Jahre lang total vernachlässigt. Deshalb beschränkt sich sein Wuchs seither auf das Nötigste. Als er vorletztes Jahr bessere Bedingungen bekommt, dauert es noch fast ein Jahr, bis er das in Neuaustriebe umsetzen kann.

Euphorbia tirucalli – Neuaustrieb als Steckling nutzen

Bleistiftbaum mit AblegerNun sieht es so aus, dass an dem dünnen langen Stamm oben ein neuer Ausläufer wächst, dessen Stiel plötzlich dreimal so dick ist, wie der alte Stamm unten. Der Ausläufer entstand dieses Jahr und ist inzwischen fast unbemerkt auf circa 30 cm Länge gewachsen. Dadurch hat der Baum deutliches Übergewicht und wird so nie mehr ohne Stütze stehen können. Es bietet sich also ein chirurgischer Eingriff 😉 an, um mit einem stattlichen Senker noch mal ganz reinzukommen in Sachen Bleistiftbaum.

Bleistiftbaum senkern ganz einfach

Bleistiftbaum senkern ist absolut leicht, sofern man einen Fehler nicht macht: den frisch geschnittenen Senker in Wasser stellen *

* richtig oder falsch? (Anm. sh. ganz unten)

Bleistiftbaum Euphorbia tirucalli schneidenGeschnitten wird der Steckling mit einer scharfen Schere und 2 saugfähigen Tüchern, am besten Küchenrolle. Sie dienen zum Schutz vor dem giftigen Pflanzensaft (Wolfsmilchgewächs). Nach dem Abschneiden des Senkers wird ein Tuch auf die Schnittfläche der Pflanze gelegt, eins wird als Unterlage unter den frisch abgetrennten Steckling gehalten. So lassen sich (sehr haltbare) braune Flecken auf der Haut und auf Gegenständen recht sicher verhindern.

Nach dem Abschneiden muss der Steckling mindestens einen Tag lang im Zimmer liegen, damit die Schnittfläche abtrocknet und etwas verheilt. Da es sich um eine Sukkulente handelt, kann der Steckling auch ohne Probleme mehrere Tage liegen bleiben.

„Überall“ steht geschrieben, daß es wichtig ist, den Bleistiftbaum Ableger möglichst nicht in Wasser zu stellen, wie man es von anderen Pflanzen her gewohnt ist. Er sollte gleich in Kakteenerde gepflanzt werden. Im Wasser läuft man Gefahr, dass der Ableger anfängt, zu faulen, und keine Wurzeln entstehen. Im Wasser kann es natürlich trotzdem funktionieren, habe ich selbst schon einmal so gemacht. Dennoch, sofort in Erde setzen scheint unkomplizierter und die Begründung klingt plausibel.

Bleistiftbaum Ableger eintopfen

Wir stellen den Senker in einem Blumentopf, dieser sollte nicht zu klein sein, damit sich die Erdfeuchtigkeit gleichmäßig hält. Da der hier beschriebene Senker schon etwa 30 cm lang ist, habe ich mich für einen T17 Kunststofftopf entschieden, klingt für einen Sukkulenten Senker recht groß, doch der Bleistiftbaum mag bei seinen Ausmaßen sowieso eher größere Töpfe.

Also Ableger in den Topf, ringsherum Kakteenerde auffüllen, nicht andrücken. Wenn doch unbedingt nötig, dann nur soweit andrücken, dass der Ableger gerade ohne Stütze stehen bleibt, nicht umkippen kann.

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Bleistiftbaum angießen oder nicht

Jetzt könnte es schon reichen, die Erde in derselben Feuchtigkeit zu belassen, wie sie im Kaufzustand ist, man kann auch noch ein paar ml Wasser zum angießen verwenden. Jedoch auf keinen Fall zuviel, es darf keine Fäulnis entstehen. Der Bleistiftbaum ist sowieso angeblich sehr anfällig für Wurzelfäule. Kurios, denn ansonsten ist es eine der beständigsten und resistentesten Sukkulenten und Zimmerpflanzen überhaupt, jedenfalls in Sachen Ungeziefer etc.. Nur zu viel Wasser bekommt ihm schlecht. Wir lassen den Bleistiftbaum also nach dem Eintopfen einfach ein paar Wochen stehen und warten, was passiert. Erste Wurzeln sollen sich, Berichten zufolge nach etwa zwei Wochen bilden.

Steckling nach 4 Wochen

Daß der Steckling Schwierigkeiten hat, schnell Fuß zu fassen bzw. Wurzeln zu bilden, erkennt man, weil der Stiel am schrumpeln ist. Ein wenig Blattverlust kommt später dazu. Doch mitten im Sommer, also zur besten Jahreszeit besteht kein Grund zur Sorge. Daß sich Wurzeln bilden, ist nur eine Frage der Zeit, oder?

Gleichzeitig beschäftigt mich die Frage, was gewesen wäre, wenn ich den Steckling doch wie gewohnt, in Wasser gestellt hätte. Hätten sich dann schon Wurzeln gebildet? Der Nachteil in Erde ist ganz deutlich, daß man nicht beobachten kann, was passiert.

Aus Interesse starte ich deshalb zum Vergleich ein Experiment:

Stecklinge Bleistiftbaum in Wasser wurzeln

Teilnehmer des Versuches sind ca. 5 extra frisch geschnittene neue Stecklinge von derselben Ursprungspflanze. Sie sind zwischen 10 und 20 cm lang und liegen nach dem abschneiden (16.8.) für 3 Tage im Zimmer, damit die Schnittfläche trocknet. Dann startet der Versuch:

Werden die Stecklinge in Wasser wurzeln oder faulen – und wenn ja: wie schnell?

19.8.: Der Versuch startet, die 5 Stecklinge werden in ein Trinkglas mit Wasser gestellt. Das Glas wird etwas abgedunkelt, indem es eine Hülle aus grauem Karton erhält. Standort ist ein heller Platz am Ost-Fenster, die Temperaturen betragen hier etwa 25°C. Es ist geplant, das Wasser alle 2 Wochen zu wechseln, um Fäulnis zu vermeiden. Wann werden sich Wurzeln (oder Fäulnis) bilden?

Wurzeln am ersten Steckling schon nach 2 Wochen

03.09.: Es geht schneller, als vermutet. Beim ersten Wasserwechsel nach 2 Wochen hat der erste Steckling bereits richtig lange Wurzeln. Interessant ist auch, wo sie entstehen: unten direkt auf der Schnittstelle, auf den Fotos ist das gut zu erkennen. Jetzt bleibt die Frage, ob die anderen Stecklinge auch wurzeln bekommen bzw. wie hoch die Ausschußquote bei „in Wasser senkern“ ist. Verluste gibt es immer und eine Erfolgsquote von deutlich über 50% wäre o.k.

Bleistiftbaum Steckling Wurzeln im Wasser 6 Stecklinge vom Bleistiftbaum Ableger vom Bleistiftbaum bildet Wurzeln Bleistiftbaum Ableger Wurzeln bilden sich auf der Schnittstelle

Derweil schrumpelt der in Erde gesetzte Ableger vor sich hin:

 Bleistiftbaum Ableger in Kakteenerde – – – – – – – – – – – – – Ableger bewurzeln in Erde Bleistiftbaum

Leider sieht man nicht, was unter der Erde passiert. Die Blätter sind ebenfalls vertrocknet und wenn sich zwischenzeitlich nichts verändert, werde ich ihn später austopfen, um den Vergleich zwischen beiden Methoden sichtbar zu machen. Denn ich habe da schon so eine Vermutung…

Wurzeln am Ableger 1 Monat später

Mit dem wöchentlichem Wasserwechsel in der Vase wird es sicher keine Probleme mit Fäulnis geben beim bewurzeln der Stecklinge. Erstaunlich ist nur, daß eine Sukkulente auch in Hydrokultur gedeihen kann. Ob Hydro auf Dauer funktioniert, wäre später einen Versuch Wert, Fakt ist jetzt jedenfalls, daß die Wurzeln an fast allen Stecklingen sehr gut und kräftig wachsen.

Die längsten Stecklinge haben jetzt nach insgesamt etwa 6 Wochen Wurzeln von über 10cm Länge, kräftig ausgeprägt und verzweigt:

  • 3x sehr lange Wurzeln
  • 2x immerhin befriedigend
  • 1x weitere Entwicklung der Wurzeln fragwürdig

Also nur einer der 6 Ableger kommt über den (immerhin schon sichtbaren) Versuch, eine Wurzel herauszuschieben, noch nicht hinaus.Wurzelbildung an Stecklingen Bleistiftbaum Ableger selber machenDie Erfolgsquote beim bewurzeln in Wasser geht also in Richtung 90%, und das ohne Blattverlust, mit saftigen Stängeln und teilweise sogar leichtem Zuwachs an den Trieben!

Titelfoto-Ableger nach 4 Monaten in Erde

Und jetzt kommt die Stunde der Wahrheit, auch ich war auf das Ergebnis sehr gespannt: Was macht der am 2. August in Erde gepflanzte Steckling? Wie groß sind seine Wurzeln?

Es ist jetzt ende November, also 4 Monate sind vergangen. Zwischendurch sind interesse halber diverse andere Bleistiftbaum Ableger in Wasser entstanden. Der Ableger in Erde hat sich nach dem Blattverlust und leichtem einschrumpeln jetzt seit einem Vierteljahr nicht verändert. Hat er unten Wurzeln bekommen?

Nur die Ausgrabung wird zeigen, was an der Pflanze zwischenzeitlich passiert ist:
Bleistiftbaum Ableger ohne WurzelnBleistiftbaum Wurzeln nach 4 Monaten ErdeAbleger Bleistiftbaum verschrumpelt, Blätter vertrocknetBleistiftbaum Trockenheit Bkattverlust und schrumpelnde Äste

Im Wesentlichen: NICHTS !
Die Kakteenerde wurde wie normale Blumenerde gegossen, das hat vermutlich auch dazu geführt, daß sich Ansätze von Wurzeln bildeten, die jedoch auch wieder abgestorben sind. Die einzige lebende Wurzel sieht auf dem Foto dicker aus, als sie ist. Sie ist beim austopfen abgerissen, ist auch nur hauchdünn, denn der abgebildete Stamm hat 1,5cm Durchmesser. Außerdem sind Fäulnis-Spuren an der Schnittfläche des Stammes sichtbar. Doch genau das sollte beim Wurzeln der Ableger in Erde angeblich verhindert werden – das war der Sinn der Sache.

Bleistiftbaum Ableger in Erde funktioniert also nicht,

Ist falsch, quatsch, möglicherweise auch noch ahnungslos von anderen abgeschrieben. Wenn einer behauptet, es funktioniert, dann hatte er entweder Glück oder nie beide Methoden miteinander verglichen. Der Bleistiftbaum als sukkulende Pflanze hält möglicherweise eine halbe Ewigkeit in diesem Zustand aus, aber verschwende keine Zeit damit.

💡 Laß den Ableger nach dem schneiden 3 Tage zum trocknen liegen, stelle ihn dann in eine Vase,  und Du hast 90% Chance, nach 2-3 Wochen erfolgreich zu sein und Wurzeln zu sehen.

Update: Nachdem der oben erwähnte Ableger aus der Erde in eine Vase kam, dauerte es keine 2 Wochen und es sind mehrere kräftige Wurzel-Austriebe zu beobachten. Er hat wohl nur auf seine Chance gewartet 😉 Nach einem Monat sind die Wurzeln dann 5…10 cm lang =>  JETZT kann er in Erde gepflanzt werden.


zuletzt aktualisiert am 24.11.2016

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